Erfolgstrio mit Bergschwung

Von Martina Kausch | Fotos: Axel Griesch | Drucken

Seit über 120 Jahren handelt Familie Prechtl im Landkreis Rosenheim mit Lebensmitteln. Mit Erfolg: 2016 wurde die Edeka-Verkaufsfläche in Raubling fast verdoppelt, im Juli 2018 eröffnet in Bad Feilnbach der vierte Markt.

Keine Frage, Andreas Prechtl ist Händler mit Leib und Seele – mit genauem Blick für das außergewöhnlich sortierte Obst- und gemüsesortiment und Überblick über die Leistung der Photovoltaikanlage im Markt Raubling. Aber Händler mitLeib und Seele sind auch seine Frau Monika Prechtl und seine Schwester Petra Prechtl-Mareth. Zu dritt führen sie drei Edeka-Märkte im oberbayerischen Landkreis Rosenheim, dazu drei Getränkemärkte. Gesamtverkaufsfläche ohne Getränkemärkte: 6500 Quadratmeter. Der vierte Markt mit Vollsortiment wird im Juli eröffnet. Dort steigt dann mit Simon Mareth die nächste Generation in verantwortlicher Position in das Unternehmen ein.

Fest in Familienhand

Einigkeit, gute Aufgabenteilung und Erfahrung sind das Erfolgsrezept des Familienteams. Schon Andreas Prechtls Urgroßvater Andreas Prechtl hatte mit seiner Frau Karolina 1896 in Raubling einen Gemischtwarenladen mit 40 Quadratmeter Verkaufsfläche gegründet. Schon seit 1909 steht das Edeka-Logo im Schaufenster. Nach und nach wuchs das Unternehmen. „1972 ließ mein Vater eine Rolltreppe ins Geschäft bauen. Sie wurde mit einem Kran ins Haus gehoben – das beeindruckte viele Schulkameraden im Ort und natürlich auch mich“, erinnert sich Petra Prechtl-Mareth. Trotzdem, so Prechtl, habe er sich frei für die Einzelhandelskarriere entschieden. „Mein Vater hat nie Druck ausgeübt. Das lag aber auch daran, dass die Nachfolge durch meine zehn Jahre ältere Schwester sowieso gesichert war.“ Petra Prechtl-Mareth hatte als Betriebswirtschaftlerin die Verantwortung übernommen und der „kleine Bruder“ Zeit für Ausbildung und Etablierung. Diese Situation wiederholt sich aktuell, denn mit Simon Mareth ist jetzt die fünfte Generation im Geschäft aktiv. Marinus und Moritz Prechtl, die jüngeren Kinder von Andreas und Monika Prechtl, haben noch Zeit für eine Entscheidung.

Organisch wuchs auch Monika Prechtl ins Unternehmen, sie ist die Personalverantwortliche. Mit einem Hintergrund in der Textilbranche lag es nahe, dass sie ihrer Liebe zur Mode seit 2003 im eigenen Modehaus neben dem Edeka-Markt in Raubling nachgeht. Dieses Reich umsorgt sie mit viel Liebe zum Detail, wie die zarten Federlampen über dem Kassentresen beweisen.

Andreas, Monika und Petra Prechtl führen das Unternehmen als oHG. 320 Köpfe gehören zum Team, 18 Azubis vervollständigen die Mitarbeiterschar, um sie kümmert man sich bei den Prechtls ganz besonders – auch, weil es bekanntermaßen nicht einfach ist, junge Leute für Lebensmittel- Einzelhandelsbranche zu begeistern. In der Prechtl-Akademie über dem Marktgebäude finden die regelmäßigen Weiterbildungen statt, bis hin zu Kochkursen und Fitnessangeboten. An zwei Kommunikationsschulungen beispielsweise nimmt jeder Mitarbeiter teil. „Wir bauen auf ein familiäres Verhältnis im Team. Der Slogan „Hier geht’s mir gut“ soll für Kunden und Mitarbeiter gleichermaßen gelten“, sagt Andreas Prechtl.

Um engagierte Azubis zu gewinnen, wirbt Monika Prechtl auch auf Jobmessen und in Schulen für die Einzelhandelskarriere. „Wir bieten auch die Ausbildungen zum Handelsfachwirt und den Fachwirt für Vertrieb in Einzelhandel an, das ist dann für junge Leute mit Fachabitur oder Abitur interessant“, weiß Monika Prechtl. Dank kurzer Wege geht die Einstellung neuer Mitarbeiter manchmal superschnell: „Der Rekord liegt bei drei Tagen vom Vorstellungsgespräch bis zum ersten Arbeitstag“, erinnert sie sich.

Der Personalbereich ist bei den Prechtls in Familienhand und die Abteilung Rechnungswesen/ Controlling auch. „Die Zahlen sind mein Ressort“ sagt Petra Prechtl-Mareth. Ihr Bruder Andreas kümmert sich um das operative Geschäft und pflegt die Kontakte nach außen. Wichtig ist ihm auch der kollegiale und fachliche Austausch – ein Grund, weswegen er sich über die neue MLF-Mitgliedschaft besonders freut. „Man sieht Neuerungen, bekommt Anregungen und stellt sich konstruktiver Kritik – das ist wichtig, nur so kann man besser werden“, ist Andreas Prechtl überzeugt.

Gelegenheit zum Immer-besser-machen hatte Familie Prechtl bei der Neueröffnung das Marktes 2016 in Raubling und in diesem Jahr wird das Bessermachen in Bad Feilnbach aktuell. Hier wurde der Standort 2016 von 1000 auf 1800 Quadratmeter erweitert. Ein besonderes Highlight neben der Fischtheke, einer Käsetheke mit rund 250 Sorten und der Fleischtheke mit topmodernem Dry- Aged- Reifeschrank ist der „Marktstand“ im Eingangsbereich. „Hier präsentieren wir zum Monatsstart eine Woche lang besondere Spezialitäten, aus Italien und Südtirol, aus Frankreich, aber auch Süßwasserfische aus der Region“. Sowieso liefern viele regionale Erzeuger an die Prechtl-Märkte: u.a. kann der Kunde Eisspezialitäten, Eier, Käse, Obstbrände, Wurst- und Fleischwaren, Honig, Geflügel sowie Müsli und Mehl aus der Umgebung kaufen. Der Markt ist komplett LED-beleuchtet, besitzt eine CO2- Kühlanlage, arbeitet mit Wärmerückgewinnung und hat eine leistungsfähige PV-Anlage mit einer Leistung von 80 Kilowattstunden.

Neuer Markt im Ortskern

Die nächste Herausforderung der Familie Prechtl ist die Markteröffnung in Bad Feilnbach. Hier ist der Familie das Kunststück gelungen, sich den Standort des alten Kurhotels im Ortskern in unmittelbarer Nähe zu Kirche und Rathaus zu sichern und als Investor das gleiche Konzept wie in Raubling zu verwirklichen. Im Marktgebäude werden im ersten bzw. zweiten Obergeschoss Wohnungen sowie Räume an Praxen aus dem Gesundheitsbereich vermietet. Das Konzept des Marktes unterscheidet sich in Details von dem der anderen Standorte: „Er wird optisch etwas bayerisch-traditioneller, mit mehr Holz gestaltet und im Angebot auch auf Kur-,Camping- und Ferienwohnungsgäste ausgerichtet“, so Monika Prechtl. Unbedingt möchte sie das Know-how von erfahrenen Mitarbeitern aus dem Ort nutzen: „Sie wissen am besten, was die Kunden möchten, sie sind nahe dran.“ Nur auf eines muss die Familie Prechtl am Standort Bad Feilnbach verzichten: Es wird keinen Aldi-Süd-Markt in nächster Nähe geben. Am Standort Raubling grenzt der Prechtl-Parkplatz an einen Aldi-Markt. „Anbietergemeinschaft“ nennt Andreas Prechtl diese Wettbewerbssituation, die auf seinen Vater zurückgeht. Der nämlich wollte vor über 30 Jahren seinen neuen Markt unbedingt neben einem Discounter platzieren. „Das war übrigens ein (ehemaliger) Spar Regiemarkt, der von der Spar wegen großer Verluste aufgegeben wurde“, berichtet Andreas Prechtl. „Nun ist es ein sehr erfolgreicher Standort“.

Und was macht Andreas Prechtl, wenn er sich nicht über die schöne Obstabteilung freut? Er ist überzeugter Bergretter, engagiert bei der Bergwacht- Bereitschaft Brannenburg. Das bedeutet, alle sechs Wochen einen Tag am Wochenende Vorsorgedienst im Skigebiet am Wendelstein. Dann ist der berühmte Rettungshelikopter Christoph 1 aus München sein Partner im Team: „Menschen zu helfen erdet und macht Freude.“

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