Kommentar: Warnung vor Intoleranz - Warum der HDE-Präsident recht hat

Von Marcelo Crescenti | Fotos: HDE | Drucken
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    HDE-Präsident Josef Sanktjohanser

In einem offenen Brief warnt HDE-Präsident Josef Sanktjohanser vor einem Klima der Intoleranz und der Verunsicherung in Deutschland. Dies berge erhebliche Risiken für die Handelsbranche. Er hat recht, findet RUNDSCHAU-Chefredakteur Marcelo Crescenti.

In einem offenen Brief an die Parteivorsitzenden von Bündnis90/Die Grünen, CDU, CSU, die Linke, FDP und SPD warnte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser vor einem Klima der Intoleranz und der wachsenden Verunsicherung in Deutschland. Ausgrenzung und Protektionismus seien für den Handel "erhebliche Risiken", so der Verbandschef. Die Handelsbranche sei nun mal auf Verlässlichkeit, internationale Fachkräfte und grenzüberschreitende Lieferketten angewiesen.

Sanktjohansers Einwurf wurde durch die jüngsten Ausschreitungen in Chemnitz motiviert. „Vielerorts in Deutschland erleben wir derzeit ein hysterisches Klima der Angst", schreibt der HDE-Präsident. "Die Folgen sind Ausgrenzung und wachsende Verunsicherung. Dieser Entwicklung müssen wir – Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – gemeinsam entschieden entgegentreten.“

Man muss für solche Sätze in der aktuell aufgeheizten Debatte dankbar sein. Damit nimmt ein wichtiger Wirtschaftsverband eindeutig Stellung zur Diskussion um Fremdenfeindlichkeit, die derzeit alle Schlagzeilen beherrscht. Und mahnt alle Beteiligten an, sich für den sozialen Frieden einzusetzen.

Zu recht erinnert der HDE-Präsident in seinem Brief daran, dass die Branche unter dem Fachkräftemangel leidet und deshalb ein "kohärentes Zuwanderungsgesetz" fordert sowie die Aussetzung von Abschiebungen für Auszubildende. Zudem seien der freie Binnenmarkt und offene Grenzen für die Branche lebenswichtig, eine Wiedereinführung von Grenzkontrollen im Schengen-Raum äußerst konraproduktiv.

Sanktjohansers Beitrag versachlicht die aktuelle Debatte. Das ist im Sinne des sozialen Friedens in Deutschland. Eine solche klare Haltung ist wünschenswert in einer offenen Zivilgesellschaft – und regt hoffentlich zur Nachahmung an.

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