Auf dem Boden geblieben

Drucken
  • Jan Meifert, Edeka Meyer's, Unternehmerportrait, MLF, Rundschau, Medialog

    Jan Meifert ist bodenständig. Vor seiner Karriere im LEH hat er eine Lehre als Schreiner gemacht und auf dem Bau gearbeitet. Dort hat Meifert gelernt anzupacken. Seine freie Zeit verbringt er gerne mit seinen Hunden in der Natur. Foto: Reinhard Rosendahl

Jan Meifert sagt über sich selbst: „Ich bin ein Minimalist.“ Der 35-jährige Edekaner ist alles andere als ein Hansdampf in allen Gassen. Zu viele verschiedene Baustellen? Fehlanzeige. Er konzentriert sich lieber auf das, was für ihn wirklich wichtig ist: Umweltschutz und nachhaltiges Handeln.

Es sind vor allem die selbstständigen Kaufleute, die Deutschlands Handelslandschaft bewegen. Es sind auch die Selbstständigen, die für ihre Ideen brennen und die Welt verbessern wollen. Jan Meifert ist einer von ihnen – mit einer Vision, mit Feuer, mit Tatendrang

Weg mit den Plastiktüten

Nachhaltigkeit und Umweltschutz – das treibt den 35-Jährigen an. Der Edekaner holt die Themen aus der Ökoecke und macht sie greifbar. „Der Handel steht in der Verantwortung“, sagt er. „Diese Verantwortung trage ich auch auf meinen Verkaufsflächen.“ Plastiktüten zum Beispiel sucht man in der O & G-Abteilung und an der Kasse in den beiden Edeka-Märkten im schleswig-holsteinischen Neumünster seit 2015 vergeblich. Meifert hasst Plastik. Stattdessen entwirft er das Konzept „Bring Bag“. Die Mehrwegtasche aus recyceltem PET kostet 1,29 Euro, 25 Cent gehen pro verkauft er Tasche an Projekte des WWF. Und die bisherige Einsparbilanz kann sich mit satten 400.000 Plastiktüten und 1.100.000 Knotenbeuteln sehen lassen. Das sind mehr als 2,2 Tonnen Plastikabfall weniger. Inzwischen sind ihm weitere Kaufleute aus dem Edeka-Verbund gefolgt. Mittlerweile ist das Konzept bei über 20 Händlern und in über 50 Märkten zu finden.

Meiferts Ideenreichtum macht auch nicht vor der Fischtheke halt: „Mich hat der lange Weg aufgeregt, den Krabben zurücklegen, ehe sie im Handel ankommen.“ Jan Meifert recherchiert und findet einen Verarbeiter, der Nordseekrabben direkt von Amsterdam liefert. „Diese Krabben haben nur 500 Kilometer Lieferweg und zwei Konservierungen auf dem Kerbholz.“ Er ergänzt: „Die Krabben sind 20 bis 30 Prozent teurer. Aber mir ist es wichtig, dass meine Produkte auf kürzestem und nachhaltigstem Wege zu mir in die Märkte kommen. Da verzichten wir auch guten Gewissens auf einen Teil der Gewinnspanne.“

Mit guten Lebensmitteln punkten

Worauf Meifert nicht verzichten will, ist das große Bio-Sortiment. Aktuell macht die Kategorie einen Anteil von fünf Prozent aus – wächst aber ständig zweistellig. Das Besondere am Bio-Sortiment in Jan Meiferts Märkten: Hier finden Verbraucher auch Produkte, die es sonst nur im Fachhandel gibt. Die Hersteller konnte Jan Meifert mit seiner Vision und seinem Image überzeugen. Besonders gut läuft das Brot der Demeter-zertifizierten Bäckerei Bahde. Meifert möchte aber nicht als Ökoprediger gelten: „Vielmehr möchte ich positiven Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten meiner Kunden nehmen. Deswegen versuchen wir, gute Lebensmittel nachhaltig zu pushen.“ Das frische Preiseinstiegshähnchen überlässt er dem angrenzenden Discounter: „Ich weiß, dass ich damit das Risiko eingehe, bestimmte Kunden vor den Kopf zu stoßen, aber wir klären auf und informieren.“ Ein Verlust bei Fleisch und Wurst bleibt aus, die Kategorie hat einen Anteil von zehn Prozent am Gesamtumsatz. „Neben Obst und Gemüse ist das unsere umsatzstärkste Abteilung“, erzält der 35-Jährige. Angst vor Aldi, Lidl und Co. hat Meifert nicht: „Ich weiß nicht, wie die Reise der Discounter weitergeht. Dass der ein oder andere sein Profil sucht, sehen wir. Ich sehe aber auch eine große Chance für den selbstständigen LEH, mit Ehrlichkeit, Vertrauen, Qualität und authentischer Beratung zu punkten. Wenn das irgendwann nicht mehr funktioniert, dann hat sich die Gesellschaft so weit verändert, dass ich den LEH dann nicht mehr machen werde.“

Zur Person

Jan Meifert Jan Meifert führt seit 2010 in dritter Generation die beiden Meyer?s Märkte in Neumünster. Der Brutto- Umsatz lag 2016 bei rund 16,1 Mio. Euro, der Umsatz pro Quadratmeter bei knapp 8.700 Euro und der Netto-Rohertrag bei 26 Prozent.

Zurück

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren ...