Jeff Maisel, Brauerei Maisel & Friends

Von Linda Schuppan | Fotos: Unternehmen | Drucken

Wie steht es um den Biermarkt? Ausführliche Statements von Jeff Maisel, Inhaber Brauerei Maisel & Friends.

Herr Maisel, wie bewerten Sie die aktuellen Diskussionen um evtl. Preiserhöhungen bei Bier und die Versuche dem Preisdilemma zu entkommen?
Die Preissituation ist tatsächlich sehr herausfordernd und führt zu heiklen Machtspielchen. Dieses kräftezehrende Gegeneinander in der Branche - hier beziehe ich auch den Handel mit ein – ist leider nicht gut für den Biermarkt. Ständige Fokussierung auf den Preis lenkt ab vom eigentlich Wichtigen, der Qualität. Dass der Kunde Qualität zu fairen und angemessenen Preisen honoriert, zeigen regionale Bierspezialitäten und Craft-Biere.

Ist der Massenmarkt zukunftsfähig?
Langfristig ist der Biermarkt für mich kein Massenmarkt mehr und nur auf Masse zu schauen, ist der falsche Ansatz. Der Preis alleine führt schon lange nicht mehr zu Mengenzuwächsen, sondern zu einer Vernichtung der Wertschöpfung. Selbst das typische Massenbier im Preiseinstieg kann nicht mehr wachsen.

Was kommt nach dem Massenmarkt?
Der Spezialitätenmarkt. Die neuen Generationen der Bierliebhaber bleiben nur noch selten bei ihrem gewohnten Bier. Sie wollen Neues ausprobieren. Es wird immer wieder Bierneuheiten geben und Trends werden auch wieder verschwinden. In den USA ist das schon so. Wir sind in der Entwicklung zwar noch hinterher, aber in diese Richtung wird es gehen.

Bei zunehmender Vielfalt dürften einige Player in Zukunft verschwinden.
Das kann die Folge sein. Aber der Markt ist offensichtlich sehr dehnbar, denn es verschwindet ja noch keiner. Auf der anderen Seite entstehen momentan täglich neue kleine Brauereien. Auch dadurch wird der Druck im Biermarkt steigen.

Was tun?
Wir werden in Genussgruppen denken müssen und uns überlegen, wie wir diese Zielgruppen ansprechen können.

Hat Craft die Kraft, den Bier-Karren aus dem Dreck zu ziehen?
Schwierige Frage. Zumindest ist der Hype riesig und viele reden darüber. Das hat dem Bier insgesamt sehr gut getan. Ob das für große Veränderungen reicht, ist fraglich, aber ich bin sicher, dass uns Pale Ale, IPA, Porter und Stout in den nächsten 20 Jahren begleiten werden und Craftbier einen bedeutenden Anteil am Markt haben wird.

Welche Rolle spielt der Handel in einem sich so verändernden Biermarkt?
Der Handel tut da schon viel – vor allem in Richtung Craftbier. Das überrascht mich positiv. Es ist wichtig, dass die Sortimentsvielfalt in den Regalen abgebildet wird. Dann kann man auch die unterschiedlichen Preisranges innerhalb einer Sorte spielen und der Kunde kann entscheiden, wieviel er ausgeben möchte. In etwa so, wie es heute schon beim Wein der Fall ist.

Muss der Handel umdenken?
Zumindest muss er seine Produkte und deren Qualität sehr gut kennen. Ich denke, wir werden im Handel zukünftig neben einem Wein-Fachberater auch den Bier-Spezialisten haben. Und der wird mitentscheiden, welche Sorten gelistet werden.

Welche Wünsche haben Sie an den Handel?
Es wäre schön, wenn Bier weniger als Lockangebot im Schaufenster landet – mit aberwitzigen Preisreduzierungen. Das wird dem wahren Wert der Gattung Bier nicht gerecht und schafft auch kaum mehr Mengeneffekte. Das ist nur wertevernichtend. Außerdem braucht es Bierwelten am PoS – wie bei Wein. Das gibt der Kategorie auch wieder viel mehr Impulse.

Sehen Sie schon Preisspielchen bei Craft-Bieren?
Bei den traditionellen Craft-Bieren, wie etwa Keller- und Spezialitätenbieren, schon häufiger. Da habe ich leichte Sorge. Im Craft-Bier-Bereich sind die Mengen allerdings noch viel zu gering als dass sich der Handel damit preislich profilieren könnte.

Irgendwelche Wünsche in Richtung Mitbewerber?
Mehr Konzentration auf Wertigkeit als auf Menge. Wenn wir es schaffen, als Brauer die Wertigkeit von Bier besser zu zeigen, kommt das dem gesamten Markt zugute.

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