Gespräch: Worauf kommt es beim Presseverkauf an?

Von Dominique Snjka | Drucken

Unsere Experten aus der Jury von "Deutschlands bestes Presseregal" haben diskutiert, wie das optimale Presseregal aussieht und wie der Handel die Kategorie stärker in den Blick des Kunden rücken kann. Hier die vollständige Diskussionsrunde.

Zuletzt haben im Zusammenhang mit unserem Branchenpreis „Deutschlands bestes Presseregal 2017“ einige Jurymitglieder diskutiert, wie das optimale Presseregal aussieht und was die Kategorie im Handel nach vorne bringt. Teilnehmer waren Christian Boettcher und Julia Ladiges (Bauer Verlag), Torsten Bardohn (Büro Bardohn), Peter Cyganek (EHI Retail Institute), Katharina Horsch-Littig (Frankenthaler Pressevertrieb), Michael Kettenus (Leverdy), Frank Nolte (Bundesverband Presse-Grosso) sowie Norbert Wallrafen (Presse-Grosso Bonn-Rhein-Sieg).

Worin sehen Sie derzeit die größte Herausforderung auf dem Markt für Presseerzeugnisse?

Boettcher: Die Wahrnehmung auf Seiten des Handels ist derzeit die größte Schwierigkeit, mit der wir zu kämpfen haben.

Warum?

Boettcher: Das Presseregal ist rückläufig, vielleicht wird es deshalb im Gegensatz zu anderen Warengruppen weniger stark vom Handel wahrgenommen.

Nolte: Die Flächenproduktivität ist aber im Gegensatz zu anderen Kategorien immer noch ganz gut.

Boettcher: Dennoch fehlt es oft an Leidenschaft für die Warengruppe – und damit letzten Endes auch an Personal. Sicherlich liegt das wiederum daran, dass die Kategorie Presse nicht so transparent ist wie andere Warengruppen. Dazu kommt erschwerend, dass es auch keine festen Vorgaben bezüglich des Layouts gibt. Letztendlich ist jeder Händler in diesem Punkt frei. Das führt aber auch zu einer gewissen Unsicherheit, gerade weil die Sortimentsgestaltung nicht festgelegt ist. 

Wäre es dann nicht sehr leicht, sich diese Zahlen vom Pressegrossist liefern zu lassen, um genau diese Transparenz zu schaffen?

Boettcher: Natürlich, oft ist es vielleicht auch Bequemlichkeit. Marmelade muss man nachbestellen, die Ware für das Presseregal kommt automatisch. Wir müssen immer wieder daran arbeiten, dass das Regal interessant bleibt und auch Kundschaft anzieht.

Das heißt, der Handel scheut eher diesen Aufwand?

Nolte: In manchen Fällen vielleicht. Es ist für den Handel aber auch sicher eine Herausforderung, dass das Sortiment nicht standardisiert ist. Sicher, das Presseregal bedeutet vielleicht etwas mehr Aufwand, aber im Zusammenspiel mit dem Grossisten kann die Kategorie sehr gut funktionieren. Diesen Gedanken müssen wir in die Köpfe kriegen.

Bardohn: Die Presseabteilung ist gewissermaßen ein sich selbst reproduzierendes System. Sie ist automatisch up to date und pflegeleicht. Vielleicht hilft es, sich das öfter bewusst zu machen. 

Cyganek: Stimmt, die Ware wird angeliefert, unverkaufte Exemplare werden zurückgenommen. Damit ist diese Warengruppe grundsätzlich einfach zu handhaben.

Boettcher: Es funktioniert nicht, wenn das Regal nur nebenbei betreut wird. Ich sehe ein Problem darin, dass das Personal oft nicht richtig geschult wird.

Cyganek: Presseerzeugnisse sind in vielen Fällen Impulsartikel. Bei Kaugummis sehen wir, dass solche Artikel hervorragend funktionieren können. Damit ein Regal mich als Shopper anspricht, muss es allerdings ordentlich und einladend wirken.

Wallrafen: Trotz aller Probleme haben wir immer noch eine sehr interessante Warengruppe. Deshalb ist auch das Engagement so wichtig. Wenn die Abteilung attraktiv präsentiert wird, verzeichnen wir immer noch unverändert gute Erfolge.

Glauben Sie, dass hochwertige aufbereitete Print-Produkte in Zukunft auch wieder vermehrt Zuwächse verzeichnen könnten?

Nolte: Sicher wird es in einigen Bereichen auch wieder Retro-Effekte geben. Denken Sie an die technische Entwicklung – Technologien haben andere Technologien abgelöst, Technologien sind aber nicht an sich verschwunden.

Ladiges: Vielleicht gibt es irgendwann ja auch wieder Tendenzen, dass die Menschen nicht ständig und überall online erreichbar sein möchten. Damit kann durchaus verbunden sein, dass sie sich wieder vermehrt Print-Produkten zuwenden.

Wallrafen: Auch wenn die Situation angespannt ist, haben wir es immer noch mit einer der bedeutendsten Non-Food-Warengruppen im Lebensmittelhandel zu tun. Wir sprechen von einem Umsatz von derzeit fast 3 Milliarden Euro zu Verkaufspreisen.

Ladiges: Presse wird auch in Zukunft wichtig bleiben. Die Flächenproduktivität ist hoch – wenn man in das Regal Zeit und Mühe investiert.

Kettenus: Für mich steht das Engagement für die Warengruppe an erster Stelle. Das bedeutet für das Regal: Richtiger Standort, richtige Präsentation, vertiefte Kenntnisse der Warengruppe. In der Summe kann man dann sehr viel bewegen.

Horsch-Littig: Umsatzrückgänge gehören zu den Herausforderungen für Pressegrossisten und Händler. Wir haben zusätzlich zu den bekannten Topsellern immer wieder großartige Neuerscheinungen, die zu einem angemessenen Preis auf dem Markt auftreten. Warum machen wir das nicht einfach noch sichtbarer?

Wallrafen: Ich bin der Meinung, jedes Segment hat seine Preisberechtigung. Überlegen Sie einmal – für einen Kaffee zum Mitnehmen zahlen Shopper ohne zu Zögern drei, vielleicht vier Euro. Deshalb müssen wir definitiv über das Thema Wertigkeit nachdenken.

Sie meinen, ob und wann der Konsument bereit ist, vier, fünf oder sechs Euro für eine Zeitschrift oder eine Wochenzeitung zu zahlen…

Wallrafen: Beim Kaffee sind die Shopper es ja auch.

Nolte: Bei Special Interest-Publikationen haben wir zum Teil Zuwächse. Überall dort, wo sich die Menschen von den Vorzügen von Print angesprochen fühlen und nicht nur die reine Information im Vordergrund steht. Aber gerade Jugendliche haben Printmedien oft gar nicht mehr in ihrem Relevant Set.

Boettcher: Das zeigt sich bei einer klassischen Jugendzeitschrift wie der Bravo, früher Trendsetter und Meinungsmacher, der diese Jugendlichen dann nicht mehr erreicht. 

Aber müsste das Engagement am PoS dann nicht noch viel stärker sein?

Boettcher: Am PoS haben wir es vor allem mit Gattungsmarketing oder dem Marketing für einen Titel zu tun, bedingt durch die Grosso-Landschaft. Das klassische Einzelhandelsmarketing kommt da noch zu kurz. Dazu kommt, dass das Regal durch die Vielfalt schnell unübersichtlich und überfüllt wirkt. Ich glaube, da müssen wir einfach noch mehr in puncto Category Management tun.

Welche Veränderungen wünschen Sie sich für die Zukunft?

Boettcher: Ich würde mir wünschen, dass Präsentation und Marketing nach Category Management-Gesichtspunkten ausgebaut werden. Das Regal sollte für das Personal möglichst einfach zu handhaben sein.

Wallrafen: Eine Stärke von Presse ist definitiv, schnell Trends zu folgen – ich denke da an die Thermomix-Zeitschriften. Am Anfang kam ein Heft auf den Markt und dann kam es zu einer regelrechten Inflation. Und es läuft weiter gut.

Bardohn: Es ist wichtig, die Abteilung optimal zu präsentieren. Denn zuweilen geht die Abteilung im Ringen um die Aufmerksamkeit im Handel ein wenig unter.

Kettenus: Wer sich mit dem Thema beschäftigt und dieses Herzblut mitbringt, sieht irgendwann den Erfolg, denn das überträgt sich auch auf die Basis, also diejenigen, die tagtäglich das Regal pflegen.

Horsch-Littig: Um das Regal muss sich nicht immer der Chef kümmern. Aber er sollte die Begeisterung dafür an seine Mitarbeiter weitergeben. Das würde ich mir noch häufiger von Händlern wünschen.

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