Gespräch mit Dr. Elisabeth Wagner-Wehrborn, Emmi Deutschland

Von Sven Krause | Fotos: Georg Lukas | Drucken

Die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin Dr. Elisabeth Wagner-Wehrborn hat Emmi Deutschland als Geschäftsführerin durch schwierige Zeiten manövriert. Von Unwägbarkeiten lässt sie sich nicht ablenken. Ihr Markenzeichen: Offen sein für Neues und kämpfen, wenn es eng wird. Was die gebürtige Österreicherin unserem Redakteur noch alles in einem ausführlichen Gespräch verraten hat, lesen Sie hier.

Frau Wagner-Wehrborn – Begeisterung, die in der Lebensmittelbranche eine bedeutsame Spielkarte ist, scheint hier bei Emmi richtig gelebt zu werden. Kunden oder Handel mit den eigenen Produkten mitzunehmen und zum Fan zu machen, das wird immer wichtiger...

Das ist ganz klar. Es muss immer eine Story dahinterstehen. Die können wir mit unseren Schweizer Produkten und deren hohem Qualitätsstandard erzählen. Ein wichtiger Teil ist Milch, die in kleinen Strukturen hergestellt wird. Der durchschnittliche Schweizer Bauernbetrieb zählt etwa 25 Kühe.

Wie groß ist die Herausforderung aus dem Ursprung, der Milch, die Produktvielfalt von Emmi zu gestalten?

Das ist eine große und schöne Herausforderung. Weil mehrere tolle Produkte dahinterstehen - von der Kaffee-Range über die Dessert-Range bis zu unserem Käsesortiment –können wir aus dem Vollen schöpfen.

Welche Eigenschaften sind Ihnen wichtig?

 Esprit ist wichtig und ohne Ausdauer geht es auch nicht. Wir müssen vor allem im Verkauf extrovertiert sein und offen sein für neue Eindrücke, neue Ideen.

Welchen Anspruch stellen Sie an sich?

Ich will mein Team in die richtige Richtung führen und zwar so,  dass es vieles gerne macht. Dafür bekommen die Mitarbeitenden einen großen Handlungsspielraum. Wenn es läuft und sie ihn richtig nutzen, profitieren alle.

Was macht für Sie diese die gute Unternehmenskultur aus?

Dass wir zusammen Erfolge feiern,  Misserfolge gemeinsam durchstehen und daraus lernen. „Wir sind Emmi“, das leben wir.

Was sind wichtige Führungsgrundsätze für Sie als Geschäftsführerin ?

Wir wollen die Stärken eben stärken und nicht auf den Schwächen rumturnen. Das ist das ganz Wichtige, dass die Mitarbeiter das Gefühl haben: Ich kann einen guten Job machen. Wenn es nicht passt, muss man sich auch mal trennen.

Sie sind Österreicherin und arbeiten in Deutschland für ein Schweizer Unternehmen. Wie funktioniert das?

Für mich ist es perfekt. Was mich begeistert, ist der hohe Qualitätsanspruch.

Und wie passt es mit den Rheinländern, dem Menschen hier im Revier?

Das Rheinische ist dem Österreichischen sehr ähnlich. Wir sind kommunikativ, offen, haben Freude am Leben und sind schnell miteinander im Gespräch.

Wie harmoniert dann die Kommunikation untereinander?

 Die Gesprächskultur der Schweizer ist toll, viel kultivierter als bei uns. Da können wir etwas lernen, weil wir in Deutschland doch eher ruppig und sehr direkt sind. Manchmal sind die Schweizer erstaunt, wenn wir mit der Keule kommen.

Wo holen Sie sich den Ausgleich angesichts dieser geballten Leidenschaft im Job?

Beim Sport kann ich abschalten. Draußen sein, an der frischen Luft, das ist wichtig. Wenn ich die Zeit habe, dann gehe ich gerne golfen.

Wie sind Sie zum Golfen gekommen?

Das ist eine Ewigkeit her. Ich habe im Studium mal mit Freunden angefangen. Das hat Spaß gemacht. Zuerst bin ich nicht vom Fleck gekommen. Irgendwann mal habe ich mir mehr Zeit genommen und mein Handicap verbessert...

Was fasziniert Sie an Golf?

Mich fasziniert die Bewegung in der Natur zum einen, zum anderen aber auch, die Erwartungshaltung an das eigene Spiel zu erfüllen.

Was sind Erfolgskonzepte im Job und auf dem Golfplatz?

Man darf nicht nur mit dem Kopf spielen, sondern braucht auch viel Intuition und Sie sind sich immer selbst der härteste Gegner. Das kann man ein bisschen umsetzen auf den Job.

Wie meinen Sie das?

Man muss sich in den Kunden reindenken: Was braucht der? Und wie stimmt das mit unseren Möglichkeiten und unserem Angebot überein?

Wie geht es dann weiter?

Man muss auf wichtige Themen und Projekte fokussieren und die Abläufe klar definieren. Aber wichtig, im Gegensatz zu Golf komme ich im Job nicht allein zum Erfolg. Ich brauche ein Team. Wir tauschen uns sehr regelmäßig aus. Meine Tür ist normalerweise offen. Wenn sie zu ist, dann hat es einen triftigen Grund.

Sie leben in Düsseldorf. Fühlen Sie sich dort inzwischen heimisch?

Ich lebe gerne in Düsseldorf. Ich mag das pulsierende Leben… Düsseldorf ist schön. Da gehe ich auch gerne mal aus.

Also doch eher der Stadttyp?

Nein, nicht nur. Ich bin unglaublich gerne bei mir im Garten. Ich hege und pflege meine Pflanzen. Das gibt mir viel Energie. Ich habe wahnsinnig viel Freude, wenn das alles wächst.

Also auch in der Freizeit sehr facettenreich?

Ja. Durchaus. Ich muss immer irgendwas tun. In den Ferien gehen wir oft in die Berge. Skitouren, Bergtouren, das machen wir sehr gerne. Ich sitze aber gerne auch einfach mal am Meer und hänge meinen Gedanken nach. Es kommt immer auf den Augenblick an.

Eher Mittelmeer oder eher Nordsee?

Ich bin schon ein bisschen mehr für die Wärme. Im letzten Herbst waren wir auf Bali. Da habe ich Yoga entdeckt. Das war sehr, sehr schön. Ich kenne mich aber und wusste, dass es nicht nur 14 Tage Yoga und Anwendungen sein können. Deshalb habe ich noch den Tauchschein gemacht. Das habe ich genossen.

Welche Trends nehmen Sie besonders wahr?

 Beispielsweise einen höheren Qualitätsanspruch.  Es gefällt mir, wenn die Konsumenten sich mehr mit der Qualität auseinandersetzen. Was mich eher befremdet ist der Anspruch, hohe Qualität zu einem niedrigen Preis zu bekommen. Qualität ist nun mal nicht kostenlos.

Was beschäftigt Sie noch?

Interessant ist der Proteintrend. Ich selber achte auf proteinreiche Nahrung, kombiniert mit wenig Fett. Das tut auch dem Stoffwechsel gut. Ich glaube, da sind wir in der Produktentwicklung erst am Anfang. Da ist noch vieles möglich. Emmi hat in diesem Bereich bereits einige Innovationen eingeführt.

Wie wollen Sie in einer immer digitalisierten Welt den Kunden von morgen erreichen, ihn an Emmi binden?

Wir bewegen uns da, wo die Jugend ist. Bei Festivals, mit Caffè Latte zum Beispiel. Genau dort entsteht das positive Erlebnis, das Musikerlebnis, dieses Miteinander sein. Diese Momente verbinden und werden auch positiv mit unserer Marke assoziiert. Das ist Teil unserer Kommunikation.

Wie inszeniert sich Emmi in den Sozialen Netzwerken?

Das hängt von den einzelnen Marken ab. Für unsere Käsefans haben wir zum Beispiel eine Kaltbach-App eingeführt, wo das Storytelling beginnt. Die Homepage hat dabei auch eine wichtige Funktion. Das sind erst mal kleine Schritte, die aber unsere Tradition, Kultur und Qualität weitertragen.

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